Der Olymp stellte im Theater (v.a. in Frankreich “paradis”) sozusagen die erste Riege der Schauspieler dar, die “Superstars” ihrer Zeit, wenn man so will. Neid, Verbissenheit und Intrigen standen an den hohen Häusern im Paris des 19. Jahrhhunderts und anderswo an der Tagesordnung glaubt man zeitgenössischen Quellen aus jenen Jahren. Wer wissen möchte was die “Kinder des Olymps” unserer Tage abseits der Leinwand treiben muss sich nur durch den Dschungel der Privatkanäle seines Fernsehers kämpfen, und nicht durch alte schwulstige Wälzer. Ich allerdings würde letzteres bevorzugen; in der reinen Informationsdichte dürften sich beide wohl nur unwesentlich unterscheiden.
Nun ist es erwiesenermaßen so, dass jede spezifische Szene ihre eigenen Ikonen kürt. Seien es Fußballer oder Filmschauspieler im großen öffentlichen Fokus oder auch brillante Physiker oder Medinziner für die Wissenschaft oder oder oder… Jedes Fach hat seine Helden. Genauso wie seine Querköpfe, seine Talente, seine “Enfants terribles” und so weiter. Man wäre mal wieder bei einer theatralen Rollenverteilung, die auch vor der Bar-Branche nicht Halt macht. (Anmerkung: Ich hasse das Wort “Branche” wirklich aus tiefstem Herzen, vor allem wenn Menschen es “Brangsche” aussprechen!) Auch wir Barleute ikonisieren so manchen Trinktempel oder liegen diesem oder jenem Mixologen zu Füßen. Dies ist als solches völlig legitim. Peinlich wird es in zweierlei anderen Fällen: Erstens, wenn man sich ungelungen versucht dessen zu entziehen (am besten mit konträrer Meinungsmache) und zweitens wenn man daraus bewusst Profit schlagen möchte.
Der erste Fall ist der, welcher mich primär zu diesem Artikel verleitete. Immer öfter höre und lese ich von Barleuten, die bewusst “gegen den Wind pissen” und ich mich nicht selten ernsthaft frage: Warum? Da wird diese oder jene Bar “völlig überschätzt” und der Barmann XY hat einen “totalen Höhenflug” und so weiter und so fort. Diesen Menschen sei ein Fazit des Medienforschers Markus Becker nahegelegt, der in seiner Arbeit über die Ikonisierung im Film schon einleitend die “Stars” als ”Projektionsflächen von Wünschen und Sehnsüchten” bezeichnet. Eine Beschreibung, die die Antipathie gegenüber den “Stars in Bars” (Danke Mixology Magazin) in eine Mischung auf Selbstunzufriedenheit und Neid zurückführen lässt. Respektive der unbeholfene Versuch rückwirkend die eigene Leistung aufzuwerten und hochzustilisieren. In keiner Weise schließt diese meine persönliche Meinung zu diesem Thema Kritik untereinander aus, aber das hinter vorgehaltener Hand (oder eben nicht) verbale “Draufdreschen” gegenüber gehypten Projekten oder Personen der Barszene ist stets um ein Vielfaches weiter daneben als der Hype, auf den es sich bezieht.
Der zweite Fall erschließt sich aus einer ganz anderen Perspektive, nämliche wenn ikonisierte Personen versuchen zu lange auf ihrer Hypewelle zu schwimmen, um daraus, in welche Richtung auch immer, Anerkennung und Profit zu erhaschen. Dies äußert sich gern in Sätzen, wie “Aber ich bin doch…”, “Aber ich hab doch…” und ähnlichen zum Magenkrämpfe bekommenden Floskeln. Für diese Fälle sei auf das Ende von Marcel Carnés brillantem Film “Die Kinder des Olymp” verwiesen, in der sich die Hauptfigur Baptiste Deburau solange an die Vergangenheit und seine Selbstikonsierung klammert, bis sich zuletzt alle von ihm abwenden und er “mit leeren Händen” (ok, 5 Euro ins Phrasenschwein…) zurückbleibt.
Ich ehre meine Ikonen und Helden weiterhin, egal ob es Donald Duck oder der ein oder andere beeindruckende Barmann ist.
Hannes
