Schautender und Barspieler

Nachdem seit dem letzten Post ein sehr ereignis- und arbeitsreicher Monat ins Land gegangen ist, wage ich mich nun doch wieder an die Tastatur. Etwas fernab der bisherigen (oftmals wissenschaftlich angehauchten) Themen stelle ich den Mensch, die Persönlichkeit, hinter der Bar diesmal ins Rampenlicht.

Schauspielern sagt man oft nach, sie seien selbstverliebt und exzentrisch; hoffnungslos romantisiert von ihrer eigenen Passion. Nun ja, das trifft sicherlich auch auf uns Barleute in gewissen Rahmen zu. Oder wie es ein Kollege mal sehr treffend, bezogen auf ein Kartenspiel, formulierte: “Poker ist ein Spiel für Leute mit überhöhtem Geltungsdrang und großem Ego – wie gemacht für Bartender.” Sind wir von unserem allürenhaften Verhalten also doch Schauspieler, die ganz gut mit Hochprozentigem umgehen können? Zumindest einige Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen: Es gibt eine (verhältnismäßig) kleine, sehr gut vernetzte Szene, die ihre “Stars” kürt, sei es mit Auszeichnungen oder in der allgemeinen Darstellung und Wahrnehmung. Ebenso sind wir uns sicher, ein spezifisches ”Kunsthandwerk” auf sehr hohem Niveau auszuführen, was uns klar von der Masse der vielen anderen gastronomisch Tätigen abgrenzt und für die allermeisten unseres Schlages ist die Bar mehr als nur ein Beruf, sondern eine Passion. Dies untermauert das Zitat eines sehr geschätzen Frankfurter Kollegen: “Ich frag mich, wie man eigentlich nicht Bartender werden kann! Es ist schließlich, das großartigste, was es gibt.”

Dennoch gibt es viele Stimmen, die in Blogs oder Sozialen Netzwerken oft mahnend darauf hinweisen, “sich auf das Wesentliche” zu konzentrieren – die Dienstleistung. Aber gerade durch das Modifizieren einer Dienstleistung zu einem Erlebnis, zeigt sich die Klasse eines guten Bartenders. Gelingt dieses “Kunststück” einem Barschaffenden häufig und auf stetig hohem Niveau, wird er auch von Gästen sowie Fachkollegen entsprechende Würdigungen erhalten. Ähnlich wie ein brillanter Schauspieler, wenn auch nicht annähernd im gleichen medialen Ausmaß. Der Barmann wird zunächst von außen hoch stilisiert und greift dies selbstredend (gewollt oder nicht) für sich und seinen Umgang auf. Man könnte dies einfach zusammenfassen: durch die Liebe zur Bar und entsprechende Fähig- und Fertigkeiten kann man Ansehen gewinnen, was dann auch das Selbstvertrauen massiv steigert und in den allermeisten Fällen auch in Selbstverliebtheit (in welchem Maße auch immer) mündet. Nur was ist so schlimm daran? Fragen wir uns doch mal als Gast: Würde es mich beispielsweise stören, wenn ich wüsste, dass dieser Fremde dort hinter dem Tresen gerne auf X-tausend Bildern in sozialen Netzwerken markiert ist, dass er eine knappe Stunde für seine Frisur braucht, dass er seine Bar als die beste der Stadt bezeichnet oder nur bestimmte Champagner-Sorten trinkt? Definitiv nicht, wenn – und das ist der entscheidende Punkt – ich in annehmbarer Zeit aus seinen Händen einen vorzüglichen Drink gereicht bekomme und mich gut behandelt fühle.

Konklusierend gesagt: Gehen wir doch offen mit unseren Allürchen und Eitelkeiten um, wieviele es auch sein mögen. Aber hören wir auf zu plärren, dass dieser oder jener, dieses oder jenes gemacht habe und wir doch nur “Dienstleister” seien sollen. Sollen wir nicht! Sind wir nicht!

Wir sind passionierte Kunsthandwerker! 

Hannes

 

 

    

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Über bartheater

Bartender und Theaterwissenschaftler.
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